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2012: Weltuntergang
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Um 1900 wur­de ei­ner der wich­tigsten
Stof­fe un­seres Kos­mos ent­deckt:
Penicillin. Der seinerzeit einzige
Le­bens­retter bei bakteriel­len
Infektionen war lange Zeit etwas
Besonderes. Seit Jahren jedoch wird
damit Miss­brauch getrieben.



Erreger breiten sich unkontrolliert aus
Missbrauch von Antibiotika bedroht die ganze Welt
bluebird

Um 1900 wur­de ei­ner der wich­tigsten Stof­fe un­seres Kos­mos ent­deckt: Penicillin. Der seinerzeit einzige Le­bens­retter bei bakteriel­len Infektionen war lange Zeit etwas Besonderes. Seit Jahren jedoch wird damit Miss­brauch getrieben - so­wohl im ärztlichen Umfeld als auch in der Massentierhaltung.

Wird einmal heftigst genießt, klagt der Patient über Probleme, die nur im Kleinsten auf eine mögliche Bak­te­rien­in­fektion und damit die Gabe von An­ti­biotika hinweisen, gibt es einen Frei­schein für Penicillin oder ähnliche Prä­pa­rate. Viele Keime - gerade in der indus­tria­lisierten Welt - haben in den vergan­ge­nen Jahren bereits so enorme Resis­ten­­zen gebildet, dass auf andere Prod­ukte ausgewichen werden muss. Die Frage ist: Wie lange geht das noch gut?

Szenenwechsel: In der Massentierhal­tung ist es ähnlich. Der rapide ge­stie­gene Bedarf an Fleisch, dessen Ver­zehr in Massen (nicht in Ma­ßen!) und der im Unterbewusstsein festsitzende Geiz, der in allen Bereichen nach “billig” verlangt, zwangen wohl die In­dustrie dazu, die Aufzucht von zu ver­zehrenden Tieren so effektiv wie mög­lich zu gestalten. Je mehr Tiere auf engstem Raum, desto lukrativer für die Industrie. Das Problem jedoch: Bak­terien breiten sich aus, Tiere müs­sen mit Anti­bio­tika be­han­delt werden. Die übliche in­dus­trielle Massentier­hal­tung mit zig­tausenden Tieren auf engs­tem Raum ist ohne Ein­satz von großen Mengen Antibiotika undenkbar. Der Verbraucher schmeckt das, doch es schmeckt ihm trotzdem.

Masthühner, so schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ) am 20. November 2011, leb­en im Durch­schnitt ge­rade mal 32 Ta­ge bevor sie ge­schlachtet werden. “Rein statistisch betrach­tet”, so die SZ wei­ter, wer­den die Hühner 2,3 Mal mit Antibiotika be­han­­delt. Nicht deshalb, weil sie krank wären. Nur vor­beu­gend, und um ihr Wachstum zu beschleu­ni­gen. In der modernen Vieh­hal­tung sei dies gang und gäbe. Und das, “obwohl die Gabe von Medikamenten zur För­de­rung der Mastleistung seit 2006 in der EU offiziell verboten ist.” Knapp 1000 Tonnen Antibiotika, so die SZ weiter, wurden in deutschen Ställen schät­zungsweise im Jahre 2010 an Hühner, Puten, Schweine, Kälber oder Rinder verfüttert. Das sind 1 Millionen kg (= 1 Milliarde Gramm Dosen).

Wissen­schaftler, Tierärzte, Human­medi­zi­ner und Verbraucherschützer seien alar­miert, weil der wachsende Ein­satz von Antibiotika zur Aus­brei­tung gefährlicher Erreger führt. Durch den undifferenzierten Einsatz der Antibiotika werden resistente Bakterienstämme herangezüchtet, die mit dem Fleisch vom Menschen aufgenommen werden. Das Bun­des­institut für Risiko­for­schung (BfR) ge­he davon aus, dass nicht nur Hüh­ner, sondern auch Schwei­ne, Mastkälber und Rin­der bis zu sechs Mal im Jahr mit An­ti­bio­tika behandelt werden.

Immer wieder lesen oder hören wir in den Medien von uns bedrohen­den Seuchen. Dieses Jahr war es EHEC, demnächst schafft es gewiss wieder eine Tier-Pest in die Schlag­zeilen. Im Grunde genommen wäre die Thematik jeden Tag eine Schlag­zeile wert. Wichtig wäre zudem, die Nahrungskette neu zu überdenken.

Statistik: Im Jahr 2009 waren 25 Pro­­zent des verkauften Hühner­fleischs mit gefährlichen Keimen verseucht und 43 Prozent Puten­fleisch. In 52 Prozent aller Schwei­neställe wurden die hochge­fähr­lichen MRSA-Erreger nachge­wie­sen, vor allem in Groß­betrieben! (Mehr zu MRSA unten) Tierärzte bestätigen nach Recher­chen der Süddeutschen Zeitung, “dass die Aufzucht von zigtau­senden Nutz­tie­ren in Groß­betrieben ohne eine ho­he Medikamentierung nicht mach­bar” wäre. “Der Miss­brauch ist in der Branche weit verbreitet”, sagte der ehe­­­malige Vize­präsident der baye­ri­schen Lan­deszierärzte­kam­mer, Ru­pert Ebner gegenüber der SZ. Neben An­ti­biotika werde “auch viel Aspirin” ver­­schrieben, “häufig oh­ne genaue Prü­fung. Unter Be­täu­­bung könnten et­wa Hühner Schmer­zen leichter aus­hal­ten. Mast­hühner seien so ge­züchtet, dass sie in kürzester Zeit so viel Ge­wicht zulegen, dass sie sich kaum noch auf den Beinen hal­ten könn­ten und Knochenbrüche erleiden.

Quellen: Süddeutsche Zeitung vom 20. September 2011: “Gefährliche Keime aus dem Stall” von Silvia Liebrich.

MRSA-Keime
auf Geflügelfleisch

Bisher war der Erreger nur dafür bekannt, dass er in Kranken­häu­sern auftritt. Die Deutsche Ge­sell­­schaft für Kranken­haus­hy­gi­ene geht davon aus, dass in Deutschland jährlich 7000 Men­schen an MRSA-Keimen sterben, be­richtet die Süddeutsche Zei­tung. Wissen­schaft­ler des Ro­bert Koch Insti­tuts warnen nun da­vor, dass die­se antibio­tika­resis­tenten Eiter­kei­me auf Ge­flügelfleisch vor­kom­men. Wenn der Keim in den Kör­per ein­dringt, kann es zu schweren Infek­tionen bis hin zum Tod kom­men.

Man kann allerdings in gewis­sem Maße Entwarnung geben. “Die in der Regel bei Geflügel ge­fundenen ‘Livestock associated (la)-MRSA’ sind (...) nicht gleich­zusetzen mit den aus dem Kran­kenhaus bekannten ‘hos­pital acquired’ (ha)-MRSA. Beide MRSA-Typen unterscheiden sich bis­lang sehr wesentlich insbe­sondere in den krankmachenden Eigen­schaf­­ten und in den Resis­tenz­ei­gen­schaften.” So antwor­tete die Bun­desregierung auf eine Anfrage der GRÜNEN Anfang Sep­tember.

Was bedeutet dies für den Ver­brau­cher: Wer ganz auf Nummer Sicher gehen möchte, fasst nachweislich aus Massen­tier­hal­tung stam­men­des Tierfleisch nur mit Plastik­handschuhen an und achtet bei der Zubereitung darauf, dass das Stück Fleisch vollkommen durch­gart. Achten Sie zudem darauf, dass die Tiere, die Sie verzehren, in Freilandhaltung großgezogen wurden und greifen Sie lieber auf Produkte regionaler Metzger und Bauern zurück, da hier die Her­kunft des Tieres im Normalfall bekannt ist.

Weiterführende Links:
"Der mühsame Kampf gegen Krankenhauskeime" (LINK)
Gefährliches Geflügel - Filmbeitrag REPORT (LINK)
Auftreten und Verbreitung von MRSA in Deutschland 2010 (LINK)
Gefährliche Keime auf Geflügelfleisch (LINK)
Das Haushuhn (LINK)
Anfrage der GRÜNEN zum Thema MRSA (LINK)


Foto: (c) Gerd Altmann / pixelio.de / Text: wt / Datum: 2011-09-27 / 1 / 67


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Dr. Burger Schwandorf
 
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