Privatpraxis Dr. med. Siegfried Burger

Auf Skiern mit Gelenkersatz?
"Wer gehen kann, kann auch Sport treiben" motiviert der Team-Arzt des DSV, Dr. Hubert Hörterer. MEHR

Hypervitaminosen
„Für eine ausgewogene Ernährung sind Brausetabletten kein Ersatz“, schreibt Werner Bartens für die Süddeutsche Zeitung am 12. Oktober 2011. MEHR

Generation Sowohl-als-auch
„Der neue Tag“ (NT) titelte am 24. März 2011 eine dpa-Meldung mit „Generation Sowohl-als-auch“ und beschreibt darin die Erwartungen von Deutschen zwischen 16 und 35 Jahren. MEHR

Wenig Schlaf, Herzinfarkt-Risiko steigt
Wer jahrelang weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, erhöht sein Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich. MEHR
DOC BURGERS MAGAZIN

Wie lange durfte er
Kind sein?
Plaudern ist Türöffner
für Kommunikation
Leben, um zu Arbeiten.
Oder umgekehrt?
Kinder müssen sich
nachts erholen
Die andere Seite des 21.
Jahrhunderts
Small Talk will geübt seinWir haben uns selbst in der
Hand
Mit müdem Kopf lernt es sich
schlecht
Wie lange durfte er Kind sein?Plaudern ist Türöffner für KommunikationLeben, um zu Arbeiten. Oder umgekehrt?Kinder müssen sich nachts erholen
Sicher sind viele 15-jährige scheinbar schlauer als jene zwei, drei Generationen früher. Doch haben sie wegen der dehydrierten Bildung-to-go-Politik ihrer Bestimmer in den meisten eines verpasst: Soziale Integration und ihre ganze Jugend. Die gibt‘s leider nicht „zum Mitnehmen“. | mehr
Unterhaltung funktioniert dann am besten, wenn sich die Gesprächspartner auf gemeinsamen Kommunikationsebenen treffen und dort verbal interagieren. Sprachwissenschaftler definieren diese Gesprächswelten in unterschiedlichen Ansätzen. | mehr
Mehr als zehn Stunden am Tag, sechs oder gar sieben Tage die Woche, selbst im (möglichen) Urlaub nie den Kopf frei sondern immer in Gedanken an eines: Arbeit. Für Freiberufler, Unternehmer, Manager ist das das Los, das sie freiwillig gezogen haben. In ihrem Leben ist nicht viel Zeit für Familie oder Freunde. Ihr Beruf nimmt sie 100-prozentig ein. Und am Ende des Lebens? Hat man etwas verpasst? | mehr
Spätestens ab dem 12. September heißt es: Morgens früher aufstehen und am Abend früher ins Bett gehen, denn: Ein müder Kopf behält nicht viel. | mehr

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Die Medizin macht es Betroffenen oder
sich betroffen fühlen­den leicht: Pille
kaufen, Pil­le schlucken, fertig.

Lasst die Kinder wieder Kind sein!
Ritalin und ADHS kontra Bewegung, Zuneigung und Liebe
bluebird

Die Medizin macht es Betroffenen oder sich betroffen fühlen­den leicht: Pille kaufen, Pil­le schlucken, fertig. ADHS ist eine dieser selt­sa­men Krankheiten, gegen die die Industrie das Mittel Ritalin erfunden hat. Dass es aber auch anders geht, wollen wir Ihnen heute darstellen.

Stellen wir uns vorab ganz objektiv die Frage: Was ist Ritalin? Ritalin ge­hört zur Gruppe der Amphetamine und unterliegt dem Betäubungsmit­tel­gesetz, daher ist jede Verschreibung meldepflichtig. Es ist anregend und pro­du­ziert pharmakologische Effekte, die de­nen von Kokain und anderen Am­phe­­taminen ähnlich sind. Stellen wir uns weiter ganz objektiv die Frage: Beginnt hier nicht schon im Schulalter eine gewisse Dro­genabhängig­keit?

Der "Stern" berichtet in seiner Aus­ga­be vom 29. Oktober 2009 von ei­nem Projekt, das im Sommer diesen Jahres auf einer Südtiroler Alm in knapp 2400 Meter Höhe statt­ge­fun­den hat. Elf Jungs mit der Di­ag­nose ADHS sollten acht Wochen lang ler­nen, ohne die Tablette zu leben. Anstelle von Amphetaminen gab es, so der "Stern", "Regeln, Bewegung, Zeit und Zu­neigung". Resumé: "Die Kinder wuchsen aus sich heraus."

Probleme blieben zu Hause
Das Kontrastprogramm mit 180-Grad-Wendung war nicht für jeden der Jungen ein­fach. Kein Fernsehen mehr, keine Videospiele, keine Dro­gen, kei­ne "falschen Freun­de". Acht Wochen lang kein schu­li­scher Druck, kei­ne No­ten, kein Stress. Und: die per­sönlichen, meist wirt­schaftlichen Probleme der Eltern weit entfernt.

Da blieb viel Zeit, zu sich selbst zu finden, den auf sich lastenden Druck ab­zubauen und den eigentli­chen Sinn des Lebens zu ent­decken. Sich aufeinander verlassen können und sich natürlich entwickeln: Holz hacken, Tiere versor­gen, mel­ken, sich selbst entdecken.

Die drei Erzieher wussten am An­fang wenig von den Kindern. Ex­pertisen interessierten sie nicht. "Ge­brauchsanweisungen" der El­tern (Platzangst, Vollkornallergie, Kopf­weh, Vitaminpräparate etc.) ver­staub­ten. Ziel war, die Kinder sich selbst entfalten und entwickeln zu lassen. Die Frage nach Fernsehen ab 6 Uhr morgens: obsolet – kein Gerät auf 2400 Meter Höhe. Heavy Metal-Musik, egoistisches Gebocke, He­rum­­brüllen, Herumhampeln, He­rum­schlagen? Hatte sich in den acht Wochen Projektphase gelegt. Der "Stern" schreibt: "Die Kinder ge­raten in Bewegung. Sie bekom­men Ahnung davon, dass es anders geht." Die Veränderung ließe sich nicht messen, so der "Stern" weiter, zitiert jedoch einen der Jungs, die mit auf der Alm waren. Er sagt: Nach langem Überlegen sei er jetzt "stärker im Kopf". Mit den Lehrern würde es sicherlich schwierig werden, "aber jetzt muss mein Wille mitspielen." Ein anderer Junge sagte, er müsse nicht immer Erster sein. Wieder ein anderer: "Ich wer­de weniger Fernsehen" und mor­gens von allein aufstehen. Einer der Jungs hat – wieder zurück im Alltag – seine Mutter in den Bio­la­den geschleppt und ihr mit­geteilt, dass Süßes schlecht sei. Robins Vater berichtet, sein Sohn sei deutlich ruhiger geworden und könne sich nun länger allein beschäftigen. Adrians Mutter sagte strahlend gegenüber dem "Stern": "Mein Sohn ist wie ausgetauscht. Wie neu geboren."

Wo bleibt die Zeit für Kinder?
Eltern, deren Kinder im Unterricht stören, werden laut Prof. Gerd Glaeske gerne mit ihren Schützlin­gen zum Arzt geschickt.

Der 64-jährige Pharmazeut fügte im Inter­view mit dem "Stern" an, dass mit Ritalin eine "einfach Lösung" auf der Hand läge.

Eine ADHS-Di­­a­g­nose böte sich immer wieder als "Entlastung" an, nicht mehr nach anderen Gründen für die Störungen suchen zu müssen. "Wir können doch nicht so tun, als könnte eine Pille alles lösen", so Prof. Glaeske.

Medikamentöse ADHS-The­­r­apien helfe sicherlich in ge­wis­sem Ma­ße. "Gut diagnos­tizierte ADHS-Kin­­der profitieren davon. Sie schaffen Prüfungen und schlie­ßen ihre Ausbildung ab. Aber der anäng­li­che Nutzen ver­ringert sich mit der Zeit." Insgesamt, so regt Glaeske an, sollte man die Diskussion um ADHS allerdings auch als "ge­sell­schaftliches Signal" verstehen. Die Familienpolitik orientiere sich eher an den Bedürfnissen der Industrie als an denen der Familien. "Wir le­ben in einer Zeit, in der viele Angst um ihren Arbeitsplatz haben und unter wachsendem Druck stehen. Da kann die Zeit für Kinder und die Beschäftigung mit ihnen abneh­men. Familie und Beruf gin­gen halt "immer noch nicht so ein­fach zusam­men in Deutschland."

Doc Burger: "Die Erziehung neu überdenken"
Warum besteht nicht für Eltern mit Kinder der Anspruch auf Teil­zeit­arbeit von z. B. sechs Stunden täg­­lich für beide Elternteile, so dass die Erziehungsarbeit in den ersten drei Lebensjahren maßgeb­lich von Mutter und Vater über­nommen werden kann. Sobald die Kinder in den Kindergarten und zur Schule gehen, können beide El­tern­teile auch in die gleiche Vor­mit­tagsschicht gehen und haben Zeit für Ihre Kinder am Nach­mit­tag. Männer die sich für diese re­du­zierte Arbeit dabei zugunsten Ih­rer Familie entscheiden, müssen dann mit einem Bonus belohnt werden, da sie durch die Übernah­me der Verantwortung für Kind und Familie wesentliche Lebenserfah­run­gen machen, die sie auch zum Wohle des Betriebes einsetzen können. Der Staat könnte solche Männer mit einer vorzeitigen Be­för­derung belohnen, gegen­über Kinderlosen und klassisch voll­­ar­bei­ten­den. Fa­milienpoli­tische Leis­tungen wie Kinder­geld, Erzie­hungsgeld etc. sind dann soweit aufzubauen, dass trotz Teilzeitar­beit (2 x 6 Stun­den und 1,5 Ge­häl­ter, gegenüber vor­her zwei Gehäl­ter) der gleiche Net­to-Betrag für selbsterzie­hen­de Eltern heraus­springt. Kin­der­betreuung am Nachmit­tag, früh­kind­liche Förderung und Ganz­tags­schule sollten eher für Fa­mi­li­en vorbehalten bleiben, die zu ei­ner selbstständigen Erzie­hungs­ar­beit nicht fähig oder beruflich unabkömmlich sind.

In der Rush-hour des Lebens zwi­schen 30 und 50 führen Aufbau der Familie, das eigene Haus oder Wohnungseigentum sowie der eigenen Karriere letztlich zu Überlastungen der Eltern mit allen Nachteilen für die Kinder.

Eine Entzerrung dieser Rush-hour mit der Möglichkeit, die Erziehung der Kinder selbstständig zu gestalten (wie es z.B. bei Lehrere­hepaaren möglich ist) würde ein Gewinn für die Kinder, die Eltern und letztlich für die gesamte Ge­sellschaft bedeuten.

Die gesamten negativen Aspekte sowohl der Armuts- als auch der Wohl­standsverwahrlosung könn­­ten auf diese Weise erheblich re­duziert und auch abgemildert wer­den.


Foto: (c) Stephanie Hofschlaeger /pixelio.de / Text: wt / Datum: 2009-11-13 / 1 / 35


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