Die Heimat als Chance für unser aller Zukunft?

Unsere Lebensweise wird sich in den kommenden Jahren noch radikaler verändern. Die sich immer massiver festigende Isolation fordere, seine sozialen Beziehungen auf den Prüfstand zu stellen und sie wie einen „kostbaren Rohstoff“ zu behandeln. Frank Schirrmacher, Buchautor und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sieht hier für den ländlichen Raum eine Chance, da hier — im Gegensatz zur Stadt — eben diese Beziehungen, mit der Familie als Basis, noch vorhanden seien.

Während sich in Großstädten persönliche Bindungen längst gelöst hätten, Kulturen aufeinanderprallten und auf manchem Schulhof kaum noch Deutsch gesprochen werde, sei auf dem flachen Land die Welt noch in Ordnung: niedrige Lebenshaltungskosten, preiswerte Immobilien, intakte Familienbande, starke Bindungen durch Kirchen und Vereine, geringe Kriminalitätsrate, reizvolle Landschaft. „Wenn Unternehmer der Region dieses Potential nützen sollten, wäre sogar Zuzug aus den Ballungsräumen denkbar“, zeigt „Der neue Tag (NT)“am 31. Mai Schirrmachers Perspektiven für unsere Heimat auf.

In seinem umstrittenen Buch „Minimum“ stellt Frank Schirrmacher auch die These auf, dass „unsere Gesellschaften auf die Entwertung ihres sozialen Kapitals nicht vorbereitet sind: Der Wohlfahrtsstaat ziehe sich in einem Moment als großer Ernährer zurück, in dem sich das private Versorgungsnetz aus Freundschaft, Verwandtschaft und Familie auflöst.“ Bis 2045 müssten unvorstellbare 190 Millionen Menschen nach Deutschland einwandern, um die Sozialsysteme zu sichern. Der Ansatz, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, sei ein absolutes Muss, aber so die Geburtenrate auf 2,0 oder mehr zu steigern sei ein Trugschluss.

Sinkende Geburtenzahlen, ein sich auflösendes soziales Netz und als Kontrast dazu immer fittere ältere Menschen lassen für Schirrmacher die Forderung zu, das „Bismarcksche Rentensystem“ zu überdenken, ältere Menschen nicht in den Ruhestand zu schicken, sondern ihnen Chancen einzuräumen. In Kalifornien, so der Autor im NT, zähle ein Drittel aller Unternehmensgründer 60 Lenze und mehr. „Wir vergeuden unglaubliche Ressourcen, wenn Erfahrung und Kompetenz in Rente gehen müssen.“

Schirrmacher: „Nicht jüngere, kräftigere Einzelgänger überleben sondern Angehörige von Familien, Kinder wie Alte. Familienbande sind stärker und dauerhafter als alle anderen Beziehungen. Sie bauen auf selbstlosen Einsatz füreinander.“