Energie richtig einteilen spart Kraft

Zeitmangel und Zeitdruck erleben viele Menschen täglich. Um alles zu schaffen, versuchen manche, ihre Zeit zu „managen“. Doch auch Zeitpläne machen den Tag nicht länger und schützen nicht vor körperlicher und seelischer Erschöpfung.

Wer leistungsfähig bleiben und das Leben genießen will, sollte auf die Energie achten, die ihm zur Verfügung steht. Wie Frau Anette Schäfer in ihrem Artikel „Energiemanagement: So bleiben Sie bei Kräften“ in Psychologie Heute ausführt, träumen fast 40 Prozent aller im Rahmen einer Studie befragten Personen von einem Tag, der 30 oder mehr Stunden hat, um dann endlich mal genug Zeit für alles zu haben.

Viele Menschen verfallen auf Multitasking (viele Dinge synchron machen) oder versuchen das Arbeitstempo zu erhöhen. Andere setzen auf To-Do Listen und Zeitpläne. Dies alles führt aber meistens nur zu dem Ergebnis, dass man sich ständig gehetzt fühlt und doch zahlreiche Aufgaben am Ende des Tagen unerledigt sind. Ein wirkungsvoller Ansatz wäre es, nicht die Zeit zu managen sondern die eigene Energie: Ist man müde und der Kopf leer, sind Überstunden ohne Effekt, ist man dagegen wach und motiviert, kann es vorkommen, dass man in einem produktiven Schub mehr erledigt als sonst den ganzen Tag. Effektives Energiemanagement setzt voraus, dass man seine physischen und psychischen Grenzen kennt. Vier Dimensionen der menschlichen Energie kennt man: physische, emotionale, mentale und spirituelle Energie.

1. Physische Energie
Offensichtlich ist die physische Energie besonders bei körperlich anstrengenden Berufen und bei Sportlern. Will man die Energiebilanz nicht aus der Balance bringen, muss man regelmäßig etwas Nahrhaftes zu sich nehmen. Unser Gehirn ist darauf angewiesen über die Blutbahn ständig mit Zucker versorgt zu werden.

Insbesondere morgens ist es wichtig, auf jeden Fall etwas zu sich zu nehmen, um den Blutzuckerspiegel zu heben. Frühstückende Menschen sind wacher und bringen höhere Gedächtnisleistungen. Auch beim Schlaf werden kostbare Energiereserven verschenkt. Circa acht Stunden Schlaf täglich braucht ein Erwachsener, um fit zu sein. Nur bei ausreichend Schlaf kann der Körper vollkommen regenerieren. Schon ein relativ kleines Schlafdefizit reicht aus, um Leistungsfähigkeit und Produktivität deutlich herabzusetzen. Menschliche Energie ist keine gerade Linie, sondern folgt einer Wellenbewegung: einer Zeit der Aktivität muss eine Ruhepause folgen, um wieder aufzutanken. Gerade während des Tages sind diese Pausen wichtig. Der Körper signalisiert seinen Bedarf an Erholung durch Gähnen, Hunger, innere Unruhe und Konzentrationsschwierigkeiten. Wer diese Signale übersieht, läuft Gefahr, sein Energiereservoir völlig aufzubrauchen.

2. Emotionale Energie
Gefühle wie Wut und Zorn, aber auch Angst und Verzweiflung führen dazu, dass die Energien rasend schnell aufgebraucht werden. Nicht ohne Grund fühlt man sich nach einem Streit oder Bewältigung einer gefährlichen Situation total ausgelaugt. Negative Emotionen sind nicht nur Energievernichter sondern schränken auch Denk-, Entscheidungs- und Innovationsvermögen ein. Eines der besten Mittel, sich gefühlsmäßig wieder aufzuladen, sind Tätigkeiten, die man liebt und in die man sich so richtig versenken kann. Dazu gehören natürlich auch gute soziale Kontakte.

3. Mentale Energie
Physische und mentale Energie sind eng miteinander verbunden. Wer auf eine regelmäßige nahrhafte Ernährung achtet, ausreichend schläft und sich viel bewegt, sorgt dafür, dass die Gehirnzellen kraftvoll arbeiten. Gefahren für die mentale Spannkraft sind Multitasking und Taskswitching (zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und her wechseln). Da unser Gehirn für diese Art der Anspannung nicht gemacht ist, ermüdet es schnell und verliert an Konzentrationsfähigkeit. Man macht Fehler. „Wer sich mehr mentale Power wünscht“, so der amerikanische Coach Jon Gordon, „muss aufhören, sich zum Sklaven der Technik zu machen.“

4. Ideelle und spirituelle Energie
Der Mensch ist ein Wesen, das sich vor allem nach Sinn in seinem Leben sehnt. Von mehr als 5000 befragten deutschen Arbeitnehmern gaben 92 Prozent an, dass für ihr Wohlempfinden im Job eine als sinnvoll erlebte Tätigkeit wichtig sei, wichtiger als eine gute Kommunikation mit Kollegen oder Anerkennung durch den Chef. Was einem wirklich wichtig ist, was man langfristig erreichen möchte, diese Fragen sollte man sich immer wieder stellen. Menschen, die in guter Stimmung sind, fällt es leichter, eine weite mentale Perspektive einzunehmen. Sinnsuche wirkt nur dann belebend, wenn man seinen Alltag auch nach seinen Prioritäten ausrichtet.

Gute Vorsätze sind schnell gefasst, doch die Willensstärke aufzubringen, sich im ohnehin vollen Alltag daran zu halten, scheint vielen Menschen über die eigenen Kräfte zu gehen. In der Tat strengen Selbstkontrolle und Disziplin die Psyche gehörig an. Durch Rituale kann man gute Vorsätze energiesparend umsetzen. Dazu ist es notwenig präzise zu formulieren, was man genau tun will und wann. Dabei sollte man aber bedenken, dass die Pläne einen nicht überfordern. Nach ein paar Wochen haben sich die Rituale dann so automatisiert, dass man gar nicht mehr über sie nachdenken muss.