Der Holiday-Blues hebt die Stimmung keineswegs

Spricht man vom „Holiday- Blues“, meint damit keineswegs ein Musikstück, das man aus den Hitparaden des Urlaubsorts mit nach Hause gebracht hat. Dieses geflügelte Wort bezeichnet eher ein Phänomen, das gerade dann auftritt, wenn man seinen Urlaub beendet hat. Zu Deutsch: „Entlastungsdepression“.

Sicher kennen Sie das auch: Da war man gerade zwei, drei Wochen im Urlaub, hat sich entspannt, eine herrliche Zeit genossen und dann bricht am ersten Arbeitstag nach Sonne, Meer und Palmen die große Müdigkeit aus. Über die Hälfte aller Urlaubs- Rückkehrer kämpft Studien zufolge mit derartigen Anlaufschwierigkeiten. Laut einer Forsa-Umfrage gab jeder zweite an, dass seine Urlaubserholung deshalb „binnen weniger Tage wieder verpufft“ – nachzulesen in der Wirtschaftswoche vom September 2009.

Sicher: Körper und Geist brauchen regelmäßige Pausen. So ist etwa das Immunsystem nach dem Urlaub nachweislich gestärkt. Doch in den ersten Arbeitstagen seien diese positiven Effekte „nur selten spürbar“. Das liege höchstwahrscheinlich daran, dass „viele Urlauber die Ferienzeit vollends auskosten“,erst am Wochenende vor dem tückischen ‘Montag danach’ zurückkämen und ihren Körper und Geist nicht auf die das ganze Jahr über gewohnte innere Uhr zurückstellten. Hinzu kommt der künstlich erzeugte Holiday- Blues: So nehmen Stress und Hektik am Tag der Rückkehr spontan den Platz ein, an dem bis zur Abreise Ruhe und Entspannung den Ton angaben: Chaos am Flughafen, Flugangst, Stau, Hektik. Erst wenn der Stresspegel sinkt treten die Folgen emotionaler, intellektueller und körperlicher Belastung zutage – deshalb auch „Entlastungsdepression“.

Was tun? Zeitforscher Karlheinz Geißler empfiehlt einen sanften Wiedereinstieg: schon einen Tag vor Arbeitsbeginn früher aufstehen, das Gespräch mit Kollegen suchen, um eine Stunde später als üblich zur Arbeit erscheinen oder ganz einfach den Urlaub bis Dienstag verlängern. Der Homo sapiens ist keine Maschine, die sich auf Knopfdruck umprogrammieren lässt. Deshalb, so Geißler, sei es wichtig, von der „Routine des Urlaubs zurück in die berufliche“ zu finden – ohne Holiday-Blues im Nacken.