Bei Depression von Profis helfen lassen

Für mehr Offen­heit gegenüber der Krankheit Depression plädierte jüngst Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, in einem Essay in der Süd­deut­schen Zeitung (16. No­vember 2009).

Das sei die „wichtigste Lehre“, die man aus dem aktuellsten, populären Fall Robert Enke ziehen müsse. So wie er nehmen sich jedes Jahr weltweit mehr als eine Million Menschen das Leben. Fast immer liege in diesen Fällen eine schwere Depression zu Grunde.

20 Prozent aller Menschen sind Risiko­trä­ger. Davon können die Hälfte er­kran­ken. Wie Psychotherapeut Dr. Ha­­rald Willwerth weiß: „Jeder 10. Patient in einer Arztpraxis klagt über Depres­sion, bedeutet aber nicht, dass die Krank­heit ausgebrochen ist oder es je sein wird.“ So können psychosoma­tis­che Beweg­grün­de, körperliche Er­schöp­fung oder Stoffwechselstö­r­ungen im Gehirn Auslöser de­pressivem Gefühlzustands sein. Was passiert, wenn man mit niemandem über seine Depression spricht und nur mit sich selbst damit versucht um­gehen? Laut Holsboer könne man aus einer Depression resul­tie­ren­de Reaktionen nicht voraus­se­hen. Zu oft hätten Patienten zu Recht Angst davor, ein offener Um­gang mit der Krankheit würde sie stig­ma­­tisieren. Ein Gesellschafts­prob­lem? Ein Tabu?

Verantwortlich für den suk­zessiven Anstieg bis zum Aus­­bruch einer Depression ist das Wechsel­spiel zwi­schen Verän­derungen auf unserer Erbsub­stanz und äußeren Ein­flüssen: Dauerstress im Beruf oder im privaten Umfeld, Ärger am Ar­beits­platz, private Kri­sen, fi­nanzielle Sorgen, auch im­mer wiederkehrende In­fek­ti­o­nen oder Herz­kreis­laufprobleme. Selbst bei Kin­dern bewirke ein trau­ma­­tisier­endes Er­lebnis be­reits Ver­än­de­rungen in den Genen.

Depressionen bedürfen wie jede andere Krank­heit auch profes­si­o­neller Hilfe. Angehörige und Freun­de können mit Zuwendung helfen. Das hält auch Dr. Willwerth für sinnvoll. Das wichtigste in seinen Au­gen jedoch: „Der Betroffene muss sich outen und zu seiner Krankheit ste­hen.“ Lebensveränderungen, Um-, besser Abstellen von stress-aus­lösenden Faktoren. Für Florian Holsboer steht zudem fest, dass nach all dem ein Experte zu konsultieren sei. Eine vollständige familieninterne Lösung zu suchen würde die Sache nicht besser machen.

Holsboer plädiert deshalb, mit einer Depressions­behandlung mit Medi­ka­menten und Psycho­therapie wie­der ins Leben zurück­zufinden.

3 Stufen der Depression

1. Stufe: Erschöpfung durch Stress
Die man durch einfache Regeneration ausgleichen kann.

2. Stufe: Burn-Out-Syndrom
Nachhaltige Erschöpfung, benötigt äußere Hilfe.

3. Stufe: Depression -> schwerwie­gende Krankheit -> schwarze Gefahr: „Schwarzes Loch“ = ist Energiesauger.

Sich mit der Krankheit auseinander setzen
In der Traditionellen Chine­si­schen Medizin (TCM) ist die De­pres­sion dem Element Wasser zu­zu­­ordnen. Depression bedeutet ab­so­luter Qi-Verlust, sodass man aus dem Ener­gietal nicht mehr he­raus­findet. Ru­hendes Wasser ist nur noch Yin und bein­haltet quasi kein Yang mehr.

Seitens der Emotionen ist dem Was­ser­element die Angst zugeordnet. Bei der Depression kommt der den Fünf Elementen folgenden Ener­gie­kreislauf zum Stillstand und der Patient verharrt auf dem untersten Energielevel/am unteren Pol. In der TCM-Lehre wird die Lebensenergie „Qi“ in den Fünf Elementen = Wand­lungsphasen ständig umge­formt. Jeglicher Stillstand dieses Kreislaufs führt zur Krankheit.

Dem Element Metall wird die Trau­er zugeordnet. Ein Verharren in der Trauer (nach einem schweren Schick­salsschlag) oder die Unfä­higkeit Trauer zuzulassen und stattdessen zu verdrängen (Beispiel En­ke) führt dazu, dass die Lebens­energie zwischen Trauer und Wut (Element Holz) blockiert wird und der Mensch schließlich in der Angst (Element Wasser) verharrt.

Depression steht auch als Angst vor Verantwortung für den eigenen Le­bensweg. Sie ist eine Flucht vor dem Druck und bedeutet eine Depressi­on im Sinne von De-Kom­pression. Therapeutisch ist der Energiekreis­lauf zu bearbeiten, die Trauerarbeit zuzulassen (vgl. Trauerjahr), sich vom Alltagsdruck zurückziehen und Zeit für das We­sentliche zu finden, d. h. Kon­tem­plation und Medita­ti­on als bewuss­te Rückkehr zur Le­bens­­­mitte.

Bewusste Umkehr bedeutet aber, auch in die Angst hineinzugehen, bis sich aus der größten Enge die Weite, die Erkenntnis und der nächste Lebensabschnitt auftut. Unsere sehr den Yang-Pol betonen­de westliche Industrie­gesellschaft hat fast alle Tabus geschleift, mit Ausnahme der großen Themen Tod und Depression. Aus der Depression herausführen kann das bewusste Auseinan­der­setzen sowohl mit nicht gelebter Trau­er als auch mit unter­drückter Wut. Symbolisch auch die bewusste Auseinan­der­setzung mit klassi­schen Dramen und Tragödien.

Thema Winterdepression
„Die zunehmende Dunkelheit der Wintermonate im November/ Dezember ist auf Symbolebene Sinnbild für das Absterben in der Natur. Das Absterben in der Natur erinnert an das verdrängte Thema Tod. Stille und Dunkelheit sind als notwendige Regenerationszeiten anzuerkennen und nicht durch Aktionismus (siehe Werbung und Kommerz) zu überspielen. Aus größter Dunkelheit wird das Licht (an Weihnachten) geboren. Um es mit Karl-Heinrich Waggerl zu sagen: „denn alles Heil kommt aus der Stille“ und nicht aus dem Lauten und Grellen.

Dies als kritischer Hinweis auf die um sich greifende Hektik der durch Werbung und Marketing missbrauchten „Weihnachtszeit“, die den ursprünglichen Sinn der Adventszeit im Sinne von Besinnung, Rückzug und freudige Erwartung auf das Kommende auf den Kopf gestellt hat.“ (Dr. Siegfried Burger)