Besser Allein Als Auf Dauer Gestresst
In getrennten Betten schlafen ist einfach gesünder. Foto: (c) lenets_tan - fotolia.com

Besser allein als auf Dauer gestresst

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Es ist ein Zustand, dem wohl jedem Paar auf dieser Welt bekannt sein dürfte. Partnerschaft bedeutet, auch ein gemeinsames Bett zu teilen. Doch regelmäßig spielen sich mittlere Dramen ab. Der eine schnarcht, der andere kann nicht mehr einschlafen. Man muss im Grunde keinen Experten fragen, da man es selbst am eigenen Leibe schon erfahren hat, dass es in der Nacht trotz vermeintlich trauter Zweisamkeit auch ab und zu ganz schön gewaltig zum Ehekrieg kommen kann.

Zählt man mal die Stunden zusammen, in denen man als Paar die Zeit gemeinsam verbringt, stellt man fest, dass man in der Partnerschaft eigentlich mehr Zeit schlafend als miteinander redend verbringt. Und diese Momente sollten nur kommod sein.

Populäre Schlaf-Ratgeber empfehlen deshalb, „Nächte lieber einsam und ruhig als gemeinsam und genervt“ zu verbringen, schrieb die Süddeutsche Zeitung dieser Tage. Und dennoch, so resümiert sie weiter, hielten 80 bis 90 Prozent der Paare am Doppelbett fest „obwohl sie getrennt voneinander wahrscheinlich eine erholsamere Zeit hätten.“ Die gemeinsame Nacht habe für viele Paare einfach immer noch symbolischen Charakter.

Im gleichen Bett schlafen und die Qualität der Beziehung
An der Universität in Wien hat man Paaren beim Schlafen zugesehen. Man wollte herausfinden, ob man Beziehungsprobleme von Schlafproblemen ableiten könne und umgekehrt. Konkrete Ergebnisse hat man bisher nicht, jedoch ist sich der Psychologe Gerhard Klösch sicher, dass ein deutlicher Zusammenhang besteht. Klösch hat schon mal eine Schlafstudie gemacht. Damals untersuchte er das Verhalten von Paaren, die zwar in einer festen Beziehung leben, aber nicht zusammen wohnen. Das Ergebnis hatte der Psychologe bereits vorher gesehen: Frauen schlafen ohne Partner ruhiger. „Sie bewegen sich weniger, schlafen tiefer und wachen seltener auf.“

Im Grunde liegen all diese Verhaltensmuster an unseren Genen. Bis vor hundert Jahren gab es noch keine wirklich technisch sicheren Schutzmechanismen, um sich in der Nacht im Hause in Sicherheit wähnen zu können. Da zogen noch die Räuber durch die Lande, überfielen Bösewichte Höfe und Anwesen. Deshalb schlief man über Jahrhunderte in gemeinsamen Räumen, um nicht alleine zu sein. Es war lebenswichtig, gegenseitig auf sich aufzupassen. Der Mensch erkannte dabei, dass „gemeinsam schlafen“ auch einen faszinierenden Kuschelfaktor in sich birgt. In der Romantik wurde deshalb das Ehebett erfunden. „Frauen fühlen sich grundsätzlich geborgener, wenn jemand da ist“, sagt Schlafforscher Klösch.

Die meisten Partner sind grundlegend verschieden in ihrem Schlafverhalten. Deshalb spricht nach Meinung der Experten nichts dagegen, in der Nacht getrennte Wege zu gehen. Kuschelfaktor hin oder her. Man muss in manchen Dingen einfach pragmatisch sein. Wichtig auf jeden Fall ist, die Urängste überwinden. Was ist besser? Gestresst jede Stunde durch Störungen des Partners aufwachen oder am nächsten Morgen frisch und fröhlich aufstehen?