Diäten: Nicht Immer So Gesund Wie Es Scheint
Einseitige Ernährung kann Mangelerscheinungen hervorrufen. Foto: © lightsource - depositphotos.com

Diäten: Nicht immer so gesund wie es scheint

Kartoffel-Diät, Brot-Diät, Null-Diät, Hollywood-Diät, Low Carb-Diät. Viele schöne Namen für viele potentielle Möglichkeiten, Gewicht zu reduzieren. Allein in den USA stand der Fettleibigkeits-Index im Jahr 2014 auf 27,7 Prozent. Weltweit, so das Nachrichtenmagazin Focus online, spreche die Statistik (2013) von 2,1 Milliarden übergewichtigen Menschen. „Ihre Anzahl steigt also wesentlich schneller als die Weltbevölkerung“, informierte das Magazin im Januar 2015.

Steht auf der einen Seite die Nahrungsmittel-Industrie, die mit ihren immer wieder hippen Angeboten ihre Konsumenten zu verführen scheint, gibt es auf der anderen Seite Nutznießer, die aus diesen persönlichen psychischen und physischen Miseren Vorteile heraus holen möchte. Es ist ein Teufelskreis, in dem man sich als Übergewichtiger befindet. Gerade deshalb probiert man dann auch gerne immer und immer wieder Diäten aus, die meist mehr versprechen als nutzen. Denn eines muss man wissen: Der Körper braucht neben regelmäßiger Bewegung auch eine ausgewogene Ernährung. Nimmt man dem komplexen Mechanismus „Körper“ auf der einen Seite wichtige Nährstoffe weg, verlangt er nach Substitution. Nicht selten endet das ganze gut gemeinte Vorhaben der Gewichtsreduktion in unkontrollierten Fressattacken.

Low Carb – wenig Kohlenhydrate:
Eine sportmedizinische Analyse

Die „Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin“ (DZS) hat sich um April dieses Jahres mit der Thematik „Low Carb“ auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass „längere Low Carb-Phasen (…) die Leistungsfähigkeit und Regeneration sowie die Immunfähigkeit beeinträchtigen [können]“. Aus der Praxis wüsste man, dass Sportler, die längerfristig dieser Diät frönen, unter „allgemeiner Leistungsschwäche, unzureichender Regenerationsfähigkeit, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und erhöhter Verletzungs- und Infektanfälligkeit“ leiden.

Eigentlich logisch: Ist eine Energiequelle erschöpft, greift der Körper zum Selbsterhalt eben auf eine andere zu. Im Falle von „Low Carb“ geht es den Eiweißen an den Kragen. Unter anderem gespeichert werden sie in Leber, Milz und Muskeln. Verbraucht der Körper zu viel Eiweiß, also Proteine, kann das zu Muskelabbau führen und auch dazu, dass man durch einen eigentlich gut gemeinten gedanklichen Ansatz sein Immunsystem schwächt.

Speziell für Sportler hat die die Ernährung mit wenig oder gar keinen Kohlenhydraten noch eine weitere, prekäre Auswirkung. Wie die DZS weiter feststellt könne eine „Kohlenhydratreduktion zu Beeinträchtigungen in der Hormonfunktion führen und den Trainingsstress verstärken, Übertrainings-Symptome auslösen und eine katabole Stoffwechsellage mit (…) Anstieg von Cortisol und Absenkung von Testosteron erzeugen.“ Katabol bedeutet muskelabbauend. Eine katabole Stoffwechsellage impliziert, dass der Mensch mehr Energie verbraucht, als er durch Nahrung zuführen kann. Auf Dauer kann Folgendes passieren: Ist das Fettdepot aufgebraucht, beginnt der Körper, Zell und Muskelmasse zur Energieversorgung zu verbrennen. Kurz: „Es kommt zu erhöhtem Protein-Breakdown und verminderter Proteinsynthese.“

Nun ja, kann da nun so mancher denken, aber ich bin ja gar kein Sportler und deshalb tangiert mich das nicht. Hierzu sei bemerkt, dass eine Ernährungsumstellung jeden Organismus beeinflusst. Ob positiv oder negativ hängt von der Art der Diät ab. Fest steht allerdings: Wer seinen Körper auf Dauer unausgewogen ernährt, wird irgendwann die Rechnung dafür erhalten. Bei Schnelldiäten spätestens ein paar Tage nachdem man mit der Diät aufgehört hat, weil der Körper das zurück verlangt, was man ihm über eine längere Zeit vorenthalten hat.

Am Beispiel der „Null-Diät“ wird das besonders deutlich: Diese Form des Abnehmens erlaubt alle kalorienfreien Getränke wie Wasser und Tee. Täglich zwei bis drei Liter trinken lautet ihre Vorgabe. Was passiert? Dem Körper werden Nährstoffe vorenthalten. Das Gehirn lernt nicht, falsche Essgewohnheiten zu ändern sondern verlangt nach der Diät das Doppelte zurück. Die Auswirkungen liegen auf der Hand.

Und nun? Wer plant, sein Gewicht zu reduzieren, kann das nur, wenn er zwei Dinge kombiniert: Ausgewogene, frische sowie vor allem nährstoffreiche Ernährung und sportliche Aktivität. Es geht nicht darum, welche Menge an Nahrung man zu sich nimmt sondern darum, wie hochwertig sie ist. Bei Fragen zur Ernährungsumstellung steht Ihnen Ihr Arzt gerne zur Verfügung.

Von Rainer Wittmann – PDF-Fassung