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Von Barbara, Lucia Und Dem Licht Des Lebens. Foto: (c) Www.aldofoto.com
Die Wochen vor und nach der Wintersonnenwende (je nach Auslegung zwischen dem 21. und 24. Dezember) sind kalt und dunkel. Ohne Sonne kann der Mensch jedoch nicht existieren, weshalb sich viele Traditionen in eben dieser Zeit darum drehen, aus der Dunkelheit heraus ins Licht zu finden. Foto: (c) www.aldofoto.com

Traditionen nicht in Vergessenheit geraten lassen

Die zunehmende Amerikanisierung hat nicht erst seit gestern unsere Traditionen ein wenig durcheinander gebracht. Während die älteren unter uns noch vom „Christkind“ in das mit einem glitzernden Christbaum geschmückte Wohnzimmer gerufen wurden, wird in „modernen“ Familien eher der „Weihnachtsmann“ propagiert.

Jener „Santa Claus“ jedoch, er wurde im Jahre 1931 zu Marketing-Zwecken von einer amerikanischen Limonaden-Fabrik erfunden, ist mithin keine Gestalt des christlichen geprägten kontinentalen Europas sondern primär eine Werbefigur. Und eben dieser „Santa“ ist es nun auch, der nicht nur dem Christkind Konkurrenz macht sondern auch dem historischen Nikolaus von Myra, der für Güte und Nächstenliebe steht; traditionell ist er der Glaubensbote in der Vorbereitung auf Weihnachten.

Unsere Traditionen, oft von Heiligen abgeleitet, verlieren nicht zuletzt bei jungen Menschen an Wichtigkeit. Manch einer weiß davon vielleicht gar nichts oder bekommt die Hintergründe gar nicht mehr vermittelt. In unserem Newsletter in dieser Woche geht es uns darum an Tradition und Kultur zu erinnern, die unsere Vorfahren trug. Sie alle haben eine Bedeutung für unser Zusammen-Leben.
Von der Dunkelheit ins Licht kommen
Die Wochen vor und nach der Wintersonnenwende (je nach Auslegung zwischen dem 21. und 24. Dezember) sind kalt und dunkel. Ohne Sonne kann der Mensch jedoch nicht existieren, weshalb sich viele Traditionen in eben dieser Zeit darum drehen, aus der Dunkelheit heraus ins Licht zu finden.

Am Barbaratag (4. Dezember), dem liturgischen Gedenktag der hl. Barbara in der römisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche (Barbaratag) werden Zweige meist von einem Obstbaum geschnitten und ins Wasser gestellt. Diese Barbarazweige sollen bis zum Heiligen Abend blühen und ein wenig Licht in die Wohnung bringen. Die Christenheit erwartet eben an Heilig Abend das heilbringende Licht in Form der Geburt Jesu‘.

Das Luciafest (13. Dezember) ist ein auf ein Heiligenfest zurückzuführender Brauch, der vor allem in Skandinavien gelebt wird. Deshalb am 13., weil vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders in Schweden dieser Tag der kürzeste Tag war. Lucia, die Lichte, leuchtende, die Lichtbringerin; der Legende nach teilte sie ihre Mitgift den Armen aus und brachte nachts den verfolgten Christen Lebensmittel. Damit sie beide Hände mit Gaben füllen konnte, befestigte sie auf ihrem Kopf ein Öllämpchen, das ihr den Weg zeigte. „Ein wunderbares Bild“, sagt Romy Köppen, evangelische Pfarrerin im Ruhestand aus Schwarzenfeld, und fügt an: „Lucia bringt Licht, indem sie Gaben austeilt, indem sie Menschen beschenkt: durch ihr anderes Denken spendet sie Licht, zeugt von dem, der sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird das  Licht des Lebens haben.“

In der Fränkischen Schweiz in Oberfranken wird jedes Jahr in einigen Ortschaften ein Lichterfest zum „Ende der Ewigen Anbetung“ abgehalten. In Oberailsfeld im Ahorntal zum Beispiel ist das jedes Jahr am 20. Dezember. Dabei werden die Berghänge rund um das Dorf in ein phantastisches Licht getaucht; zahllose Holzfeuer sorgen für eine weihnachtliche Stimmung. In Oberailsfeld sind es rund 100, die rund um den Ort herum in den Hängen aufgeschlichtet werden. Entwickelt hat sich das Brauchtum der Ewigen Anbetung seit 1592. Papst Klemens VIII. führte das „vierzigstündige Gebet“ ein, aus dem sich die „Ewige Anbetung“ geformt hat.

Das waren nun nur drei kleine Beispiele dafür, wie der Mensch seit Jahrhunderten versucht, Ruhe zu finden, sich eine Pause zu gönnen. Neu im Dunklen dennoch Licht zu entdecken – im besten Fall das „Heil-Volle“ von Weihnachten.

Der Advent biete die Möglichkeit, so Romy Köppen, inmitten oft bitterer Realitäten einmal mehr auf die Wünsche der Menschen zu hören, die man gern hat. Es gehe darum, zu erkennen, in welchem Licht man sich selbst und seine Familie, seine Freunde sieht. Es gehe darum, die Sehnsucht in sich selbst zu finden, um den inneren Frieden und das Licht zu entdecken.

Text: Rainer Wittmann – Foto: aldofoto.com

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