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Rücken Schreibtisch Foto: © Gina Sanders – F Otolia.com

Alles Bandscheibe oder was?

Probleme mit dem Rücken haben fast alle Menschen irgendwann in ihrem Leben. Mehr als die Hälfte der unter 18-Jährigen klagt über teils schmerzhafte Haltungsprobleme. Jeder dritte Patient beim Orthopäden und jeder zwölfte beim Hausarzt kommt wegen Rückenschmerzen. Die Behandlung, Rehabilitation und Arbeitsausfälle kostet unser Gemeinwesen Jahr für Jahr Milliarden.

Probleme mit dem Rücken bereiten auch uns Orthopäden so manches Kopfzerbrechen. Sie kommen oft ohne erkennbaren Anlass und verschwinden ebenso schnell wieder – auch ohne Therapie. Andere kommen immer wieder einmal oder machen sich sogar dauerhaft bemerkbar. In einer gründlichen Untersuchung des gesamten Bewegungsapparates müssen wir  den Schmerz genau orten. Die folgende grobe Einteilung  ist sehr hilfreich bei der Diagnose und der Therapie.

Zeitlicher Ablauf
Zunächst werden Rückenschmerzen nach dem zeitlichen Ablauf in akute, subakute und chronische Schmerzen unterschieden. Akute Rückenschmerzen treten erstmalig und ohne vorherige Probleme auf und dauern maximal eineinhalb Monate.

Subakute Rückenschmerzen nennen wir solche, die nicht mehr akut und noch nicht chronisch sind. Sie dauern länger als sechs Wochen, sind jedoch spätestens nach drei Monaten wieder vorüber. Chronische Rückenschmerzen dauern länger als drei Monate und können einmalig, chronisch-wiederkehrend oder lang anhaltend sein.

Örtliche Eingrenzung
Eine Unterscheidung ist auch nach den Orten möglich, an denen sie auftreten. Im Bereich der Brust- und der Halswirbelsäule entstehen Schmerzen durch Muskelverhärtungen, Muskelverspannungen oder Entzündungen. Im Bereich der Halswirbelsäule, speziell im Nacken, spüren wir Probleme auch am Hinterkopf, den Schultern und in den Armen. Mögliche Ausprägungen sind auch Unwohlsein und sogar Schwindelgefühle.

Im Bereich der Brustwirbelsäule verursachen Muskelreizungen, Verformungen des Skeletts sowie Veränderungen der Rippen-Wirbel-Gelenke Schmerzen. Die häufigsten Rückenschmerzen verspüren wir an der Lendenwirbelsäule. Hier können insbesondere Muskelverspannungen, Bandscheibenvorfälle oder gar Entzündungen auftreten.

Spezifisch?
Die Mehrzahl der Betroffenen plagt unspezifische Rückenschmerzen. Das heißt, ihr Rücken leidet unter verspannten, verkürzten und überdehnten Muskeln, vielleicht auch verhärteten Faszien. Die damit verbundenen Funktionen sind beeinträchtigt, ohne dass wir gleich von einer Erkrankung sprechen. Denn spezielle Schäden am Rückgrat sind nicht nachweisbar, ebenso wenig wie andere Krankheiten mit Bezug zum Rücken oder mit Schmerzausstrahlung in den Rücken. Man spricht von »funktionellen Schmerzen«.

Spezifische Rückenschmerzen haben im Gegensatz dazu eine eindeutig feststellbare Ursache, sogenannte »strukturelle« Beschwerden. Sie sind mit noch mehr Aufmerksamkeit zu behandeln. In vielen Fällen sind die Beschwerden Symptome einer Erkrankung, z.B. Rheuma, die diagnostiziert und therapiert werden muss, um die Rückenschmerzen zu lindern. Auch Blockaden, Verletzungen oder Unfälle kommen als Auslöser infrage.

Ursachen für Rückenschmerzen
Bei rund 80 Prozent aller Fälle entstehen Rückenschmerzen im Bereich der Sehnen, Bänder und Muskeln. Ursachen sind starke Ungleichgewichte am Rücken, die durch übermäßige Belastung, einseitige Bewegung der betroffenen Regionen, intensive physische Arbeit, aber auch Bewegungsmangel entstehen.

Unterforderung bestimmter Bereiche des Organismus, Übergewicht, einseitige oder schwere körperliche Belastungen, das Tragen schwerer Gegenstände oder ergonomische Probleme am Arbeitsplatz können sich im Rückenbereich bemerkbar machen. Rückenschmerzen haben häufig auch psychische oder soziale Ursachen.

Menschen, die unter Depressionen leiden, müssen sich häufig auch mit Schlafstörungen und Rückenschmerzen auseinandersetzen. Probleme in Familie oder Beruf,  Arbeitsunfähigkeitszeiten und Rückzug aus dem sozialen Leben sind Auswirkungen des chronischen Schmerzes.

Seid Freundlich zum Rücken – Gleich!

Ob Sie unter Rückenbeschwerden leiden oder nicht: Wir geben Ihnen ein paar Tipps, wie Sie Probleme mit dem Rücken vielleicht vermeiden oder – wenn Sie schon betroffen sind –  zumindest lindern können. Fangen Sie am besten gleich an.

Übergewicht abbauen
Je weniger überflüssige Pfunde Ihr Rücken tragen muss, desto weniger anfällig ist er für Beschwerden. Übrigens, auch die Gelenke danken es, wenn sie weniger Pfunde verarbeiten müssen.

Täglich Bewegung
Täglich mindestens 10 Minuten bewegen. Durch gestärkte Muskeln und Sehnen bekommt Ihr Rücken einen besseren Halt. Wer Aufzüge meidet und Treppen benutzt, viele Wege zu Fuß bewältigt oder so oft wie möglich mit dem Rad fährt, hat meist die tägliche Minimalforderung erfüllt.

Richtig Heben, Tragen, Bücken
Den oft genannten Bierkasten nie nach vorne gebeugt aufnehmen. Die Last leicht knieend  mit gestrecktem Rücken anheben und beim Tragen eng am Körper halten. Sollte der Kasten zu schwer sein, helfen lassen. Oder zwei kleinere Kästen kaufen und sie einzeln transportieren. Wer beim Binden der Schnürsenkel den Fuß zum Beispiel auf eine Treppenstufe stellt, tut seinem Rücken Gutes.

Richtig stehen
Harren Sie nie länger als 30 Minuten in derselben Position aus, bewegen Sie sich zwischendurch und lockern Sie die Muskulatur. Und achten Sie darauf, nicht ins Hohlkreuz zu fallen.

Richtig sitzen
Nie zu  lange in einer einzigen Sitzposition verharren oder womöglich eine ungesunde Körperhaltung einnehmen. Sitzen muss dynamisch und aktiv gestaltet werden, um den Rücken auf Trab zu halten. Ergonomische Bürostühle zum Beispiel ermöglichen dynamisches Sitzen, indem sie bei Bewegungen leicht mitgehen. Wer es sich einrichten kann, sollte bei einem Schreibtischjob beachten: Höchsten 60 Prozent der Zeit dynamisch sitzen, 30 Prozent im Stehen an einem Pult oder mithilfe eines höhenverstellbaren Schreibtisches arbeiten und 10 Prozent herumlaufen – zum Beispiel beim Telefonieren oder Nachdenken.

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