Chirotherapie: Mehr Als Nur Wirbel Einrenken
Die Chirotherapie mit ihren mehr als 100 Möglichkeiten steht auf Platz Nummer 1, wenn es darum geht, die Balance in unserem Bewegungssystem wieder herzustellen. Den richtigen „Dreh“ zu finden erfordert eine gute Ausbildung zum Chirotherapeuten, viel Erfahrung und eine gründliche Diagnose. Foto © videodoctor - fotolia.com

Chirotherapie: mehr als nur Wirbel einrenken

Dr. Siegfried Burger Schwandorf

Balance in unserem Bewegungssystem wieder herzustellen

Ursachen und Wirkung von Blockierungen und welche Mittel der Orthopäde hat, um die schmerzhaften funktionellen Störungen zu therapieren, haben wir in einem früheren Newsletter bereits dargelegt. Die Chirotherapie mit ihren mehr als 100 Möglichkeiten steht auf Platz Nummer 1, wenn es darum geht, die Balance in unserem Bewegungssystem wieder herzustellen. Den richtigen „Dreh“ zu finden erfordert eine gute Ausbildung zum Chirotherapeuten, viel Erfahrung und eine gründliche Diagnose.

Wenn die Parameter stimmen, ist man als Therapeut auf einem guten Weg, die Schmerzen des Patienten zu eliminieren.

Viel Spaß beim Lesen,
Ihr Siegfried Burger

Eine „falsche“ Bewegung oder ein unbedachtes Bücken, und schon verspürt man einen scharfen einschießenden Schmerz im Rücken. „Wirbel ausgerenkt“ ist der erste Gedanke, was im schlimmsten Fall weitgehende Bewegungsunfähigkeit bedeutet. Jetzt ist jeder froh, einen erfahrenen Chirotherapeuten zu kennen.

Am Anfang steht die Blockierung

Eine Blockierung ist eine hypomobile segmentale Dysfunktion, das heißt eine Bewegungseinschränkung eines Gelenks in eine bestimmte Richtung. Besonders häufig kommen diese an den Wirbelbogengelenken vor. Die Wirbelkörper sind im vorderen Bereich über Bandscheiben verbunden, hinter dem Rückenmarkskanal befinden sich jedoch zwei Gelenke (rechts und links) mit Verbindung zu den benachbarten oberen und unteren Wirbelkörpern. Bei Blockierungen der Wirbelsäule handelt es sich um Bewegungsstörungen in diesen sogenannten Facettengelenken.

Die Ursache für eine Blockierung kann eine falsche Bewegung sein, aber auch Unterkühlung durch Zugluft, Überlastung durch länger andauernde ungünstige Arbeitshaltung oder auch einfach ein Verlegen im Schlaf. In der Folge kommt es nicht nur zu Schmerzen, sondern auch zu einer Verspannung der Muskulatur, die unsere Beweglichkeit weiter einschränkt und Schmerzen verstärkt.

Schwierige Diagnose

Für eine erfolgreiche Behandlung ist bei der Diagnose zu beachten, dass in manchen Fällen nicht nur die Funktion gestört ist, sondern auch das betroffene Gewebe Schaden genommen hat. Letzteres erfordert andere medizinische Maßnahmen. Wichtig ist zudem, mögliche Vorschäden aufzuspüren – vor allem bei Problemen im Bereich der Halswirbelsäule. Sie schließen manchmal eine chirotherapeutische Behandlung aus. Diese verschiedenen Grenzen erkennt ein ärztlicher Chirotherapeut – ebenso mögliche Verkettungen. Davon sprechen wir, wenn Schmerzen nicht dort entstehen, wo der Betroffene sie spürt, sondern die Folge eines anderen Gesundheitsproblems sind – möglicherweise an einer anderen Stelle des Körpers.

Mobilisation und Manipulation

In leichteren Fällen können Blockierungen durch intensive Wärmezufuhr und die Einnahme von Schmerzmitteln beseitigt oder zumindest gelindert werden. Der Chirotherapeut dagegen behandelt die Blockierung durch Mobilisation und Manipulation. Die Mobilisation ist die weiche Technik, bei der die Gelenkflächen vorsichtig zueinander bewegt werden, sodass sie nach ihrer Entlastung in die richtige Position rutschen.

Manipulationen gelten hingegen als „harte Technik“, mit der die gestörte Gelenkbewegung durch einen kurzen Impuls verbessert werden soll. Dazu drückt der Orthopäde seine Hände auf Knochen und Muskeln. Mit standardisierten Griffen überträgt er Impulse auf das betroffene Gelenk und bewegt es so minimal. Begleitet werden solche Eingriffe von einem oder mehreren Knackgeräuschen. Eine gezielgerichtete chirotherapeutische Manipulation – das Einrenken – beseitigt die Blockierung und stellt die gestörte Beweglichkeit im Wirbelgelenk wieder her. In den meisten Fällen klingen die Beschwerden rasch ab, mitunter schon nach der ersten Behandlung.

Breites Einsatzspektrum

Einsetzen lässt sich diese Behandlung nicht nur bei Hexenschuss oder Kreuzschmerzen. Auch Blockierungen an der Brustwirbelsäule, die oft mit Einschränkungen beim Atmen einhergehen, können so therapiert werden. Auch Störungen an der Halswirbelsäule, die oft Symptome wie Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Ohrgeräuschen (Tinnitus) verursachen, sind eine denkbare Indikation. Allerdings sollte man nur sehr erfahrene Chirotherapeuten an die Halswirbelsäule lassen.

Was ist Chirotherapie?

Die Chirotherapie ist eine wirksame und sichere Methode, um funktionelle Störungen des Bewegungsapparats zu behandeln. Denn bei derartigen Störungen wird nicht wirklich ein Wirbel ausgerenkt, wie es etwa gelegentlich bei einem Schultergelenk passiert. Vielmehr führen verschobene Knochen oder verhärtete Muskeln zu dieser Bewegungsstörung, bekannter unter der Bezeichnung Blockierung.

Wo kann die Manuelle Medizin helfen?

Auch wenn einige dieser Behandlungsmöglichkeiten heute noch nicht so allgemein bekannt sind: Chirotherapie ist mehr als nur „einrenken“. Die Einsatzbereiche für die Manuelle Therapie gehen weit über die Behandlung von Blockierungen hinaus. Im Folgenden einige Beispiele

  • Schmerzen in Gelenken
  • Schmerzen in der Wirbelsäule
  • Muskelschmerzen wie dem Myofaszialen Schmerzsyndrom#
  • Migräne
  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Schwindel
  • Taubheits- und / oder Kribbelgefühle
  • Sehstörungen
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • allgemeines Unwohlsein  (Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Erschöpfung etc.)
Chirortherapie Schulter Foto: © Adam Gregor - fotolia.com

Für Kinder geeignet

All die genannten Störungen können ebenso gut bei Kindern behandelt werden. Vielfältige Einsatzmöglichkeiten bieten sich bei den frühkindlichen Bewegungsstörungen, die heute als Tonus-Asymmetrie-Syndrom (TAS, früher KISS-Syndrom genannt) zusammengefasst werden. Dabei treten unterschiedlichste Symptome wie Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (Schreikinder) oder Trinkschwäche, Fehlhaltungen des Kopfes und der Wirbelsäule oder auch Störungen des Muskeltonus auf. Richtig angewandt birgt die Chirotherapie für die gesunde, stabile Wirbelsäule fast keine Gefahren. Eine Besonderheit ist allerdings – wie bereits betont – die chirotherapeutische Behandlung der Halswirbelsäule: Da in diesem Bereich die Schlagadern zum Kopf verlaufen, kann die Chirotherapie einen Einfluss auf die Durchblutung des Gehirns haben. Deshalb sollte die Behandlung der Halswirbelsäule besonders schonend erfolgen und nur von erfahrenen Therapeuten ausgeführt werden.