Arthrose: Risiken Verstehen Und Vermeiden
Arthrose: Risiken verstehen und vermeiden. Foto: (c) pictworks - fotolia.com

Arthrose: Risiken verstehen und vermeiden

Was der der Volksmund „Gelenkverschleiß“ und der Fachmann Arthrose nennt, bedeutet für den Betroffenen eine degenerative oder altersbedingte Zerstörung des Gelenkknorpels, die sehr häufig angrenzende Strukturen wie Knochen, Muskeln, Kapseln und Bänder in Mitleidenschaft zieht. Ist eine Arthrose, die alle Gelenke betreffen kann, in einem fortgeschrittenen Stadium, sind Bewegungseinbußen, Einschränkungen im Alltag und eine deutliche Minderung der Lebensqualität nicht ausgeschlossen. Anatomisch betrachtet ist ein Gelenk an den Knochenflächen mit einem hyalinen Knorpelgewebe überzogen. Dieser Gelenkknorpel wirkt stoßdämpfend-elastisch und ermöglicht eine optimale Kraftübertragung. Die Gelenkflüssigkeit ist zusätzlich für ein reibungsfreies Gleiten der sich berührenden Gelenkflächen verantwortlich. Der Knorpel hält enorme Druckbelastungen aus, wie sie bei vielen Sportarten häufig auftreten. Damit die Gelenkflüssigkeit nicht ausläuft, ist das Gelenk mit einer normalerweise ziemlich reißfesten Kapsel umgeben, die aus einer Bindegewebsschicht und einer elastischen, stark durchbluteten Innenhaut besteht.

Der Gelenkknorpel. Grafiken: (c) CLIPAREA.com - fotolia.com

Der Gelenkknorpel. Grafiken: (c) CLIPAREA.com – fotolia.com

Ein nur fast perfektes System

Der hyaline Knorpel ist bis zu sieben Millimeter dick und ist ähnlich elastisch wie Gelatine. So kann er Unregelmäßigkeiten der Knochenstruktur ausgleichen und als stoßdämpfendes Polster Kräfte abfedern und gleichmäßig über das Gelenk verteilen; ein an sich perfektes System mit geringstem Widerstand und Verschleiß. Wären da nicht äußere Einwirkungen und vor allem der natürliche Alterungsprozess. In jungen Jahren werden die Knorpelzellen noch über Blutgefäße aus dem Knochenmark ernährt und elastisch gehalten. Diese Quelle versiegt im Lauf der Zeit, der Knorpel wird dann vom Gelenkspalt aus mit Nährstoffen versorgt. Wechselnde Druckbelastungen fördern den Prozess, was erklärt, dass Sport und Bewegung Knorpeln gut tut. Wird das Gleichgewicht des Knorpelstoffwechsels gestört, weil mehr Masse ab- als aufgebaut wird, kommt es zu einer Schädigung des Gewebes, die über längere Zeit unbemerkt bleiben und vom Körper nicht mehr repariert werden kann. Was folgt, ist eine Verkettung ungünstiger Umstände: Tiefe Rissbildungen im Knorpel mit Auffaserungen der Knorpelstruktur reduzieren die Glätte des Gewebes. Wird das Gelenk bewegt, reiben die aufgerauten Knorpelschichten aufeinander und können zu Abtragungen des Knorpels führen. Das abgetragene Knorpelgewebe gelangt in die Gelenkflüssigkeit, reizt die empfindliche Gelenkschleimhaut und ruft eine Entzündung hervor. Dies führt dann zu einer Überproduktion der Gelenkflüssigkeit mit einem Gelenkerguss, sodass viele Patienten mit einem dicken, geschwollenen Knie den Orthopäden aufsuchen. Schreitet dieser Prozess weiter fort, kommt es zu einer vollständigen Abtragung des Knorpelgewebes mit Freilegung des darunter befindlichen Knochens. Dieser verdichtet sich bzw. verknöchert (Sklerose) und verliert teilweise in dramatisch kurzen Zeitspannen die stoßdämpfende Wirkung.

Verlauf
Die Krankheit weist einen langsam, aber stetig fortschreitenden Verlauf mit entzündlichen Episoden auf. Arthrotische Beschwerden beginnen für den Betroffenen oftmals unbemerkt, da die Knorpeloberfläche keine Nerven beinhaltet und damit keine Schmerzrezeptoren aufweist. Dieser Prozess kann sich über Jahre hinziehen. Schmerzen treten häufig nach längeren Ruhezeiten (z. B. der Nachtruhe) als sogenannte Anlaufschmerzen auf, oder dann auch nach längerer Belastungsphase mit wiederkehrenden Entzündungen und Gelenkschwellungen mit Erguss. Der Betroffene spürt eine geschwollene Gelenkkapsel mit Überwärmung, Rötung und Bewegungseinschränkung. Kältekompressen und abschwellende Salbenauflagen bringen meist eine zumindest vorübergehende Linderung.

So kommt es zu einer weitergehenden Zerstörung der Gelenkflächen, was mit hörbaren Gelenkgeräuschen (Crepitationen) einhergehen kann. Die Arthrose führt letztendlich zu einer Gelenksteifigkeit und -instabilität mit deutlicher Reduzierung der schmerzfreien Gehstrecke, welche zu deutlichen Einschränkungen in beruflichen, freizeitsportlichen und alltäglichen Aktivitäten führen mit Einbußen der Lebensqualität, des sozialen Lebens sowie einer Gefährdung der unabhängigen Lebensführung im hohen Alter.

Primäre/sekundäre Arthrosen

In der Orthopädie unterscheiden wir die primären von den sekundären Ursachen, wobei der primären altersbedingten Arthrose keine eindeutige Ursache zugeordnet werden kann.

Bei den sekundären Arthrosen gibt es viele Ursachen: Angeborene Form- und Funktionsstörungen:

  • Fehlbildungen (zum Beispiel Huftdysplasie)
  • Fehlstellungen, z. B.
    • Coxa valga = Achsenfehlstellung des Oberschenkelhalses, bei welcher eine Steilstellung des Schenkelhalses vorliegt.
    • Coxa vara = angeborene oder ein während des Knochenwachstums erworbene Verbiegung des Oberschenkelhalses

Erkrankungen

Metabolisch (zum Beispiel)

  • Rachitis = Störung der Knochenbildung
  • Chondrokalzinose (Pseudogicht) = Ablagerungen von Kalziumpyrophosphat im Knorpel, betrifft vor allem die Menisken, die Bandscheiben sowie die hyalinen Gelenkknorpel der größeren und kleineren Gelenke.

Endokrinologisch (zum Beispiel)

  • Hyperurikamie (Gicht) = schmerzhafte Erkrankung der Gelenke. Sie wird durch Einlagerung von kristallisierten Salzen der Harnsäure (Urat) in den Gelenken ausgelöst.
  • Hyperparathyreoidismus = Regulationsstörung der Nebenschilddrüsen
  • Akromegalie = ausgeprägte Vergrößerung der Körperendglieder
  • Aseptische Knochennekrosen = Sammelbegriff für Nekrosen (Tod einer Zelle durch Schädigung der Zellstruktur) von Knochen, die in Abwesenheit einer Infektion („aseptisch“) aufgrund einer Minderversorgung mit Blut (Ischämie) entstehen.
  • Hüftkopfnekrose = Nekrose des Hüftkopfes, die durch eine Durchblutungsstörung ausgelöst wird.

Anderweitige Ursachen

  • nach Verletzungen
  • nach Operationen
  • durch Rheuma

Statistische Werte

Arthrose gilt als die häufigste Gelenkerkrankung des erwachsenen Menschen.

Da sie hauptsachlich im höheren Alter auftritt, ist angesichts des demografischen Wandels und des damit einhergehenden wachsenden Anteils alter und sehr alter Menschen in den nächsten Jahrzehnten mit einer Zunahme der Arthrose zu rechnen. Am häufigsten sind von den großen Gelenken Knie-, Hüft- und Schultergelenke betroffen. Die folgende Tabelle bezieht die Krankheitshäufigkeit der Arthrose auf das Lebensalter und zeigt, dass die Erkrankungshäufigkeit bei über 60-Jahrigen rapide ansteigt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht jede diagnostizierte Arthroseerkrankung zwangsläufig zu massiven Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen führen muss.

Tabelle aus: Gesundheitsberichterstattung Arthrose Juni 2013 (Datenbasis 2010).

Übergewicht ist ein Arthrose-Risiko

Übergewicht bzw. Adipositas wird als starker Risikofaktor vor allem für die Kniearthrose beschrieben. Insgesamt werden in Deutschland weltweit in Bezug auf die Bevölkerung am häufigsten Knie- und auch Hüftgelenke künstlich ersetzt (212,5 Kniegelenke und 295,7 Hüftgelenke pro 100.000 Einwohner).

BMI – Body-Maß-Index
Der Body-Maß-Index (BMI) ist eine Messzahl zur Bewertung des Gewichts. Er berechnet sich aus dem Gewicht, geteilt durch die Größe im Quadrat.Eine Frau mit 55 Kilogramm Körpergewicht und einer Größe von 170 cm hat damit einen BMI von 55 : (1,70 × 1,70) = 55 : 2,89 = 19,03 Nach der folgenden Tabelle ist sie damit am unteren Bereich des Normalgewichts. Der optimale BMI allerdings verändert sich mit zunehmendem Alter.