Fällt Die Hüfte Aus Geht Gar Nichts Mehr!
‚Stop-and-Go“ bei Sportarten wie Tennis, Fußball, Squash oder Turnen sind nicht „hüftfreundlich“. Zerrungen oder An- oder Abrisse in der Hüftmuskulatur sind eventuell die Folge, vor allem, wenn die Muskulatur ohne Aufwärmen gefordert ist. Foto: (c) Destinyvp - fotolia.com

Fällt die Hüfte aus geht gar nichts mehr!

Hüftgelenk ist Dreh- und Angelpunkt des Körpers

Hüfterkrankungen kommen in allen Altersstufen vor: Angefangen beim Säugling mit Hüftreifungsstörungen bis hin zur Hüftarthrose bei älteren Patienten. Die Diagnostik und Behandlung dieser Erkrankungen umfasst das gesamte Spektrum der modernen Medizin: klinische Untersuchungen kommen ebenso in Frage wie die moderne Technik der Kernspintomographie.

Ein wesentlicher Faktor aber ist und bleibt die Erfahrung des Mediziners.

Stimmt die Diagnose, können viele Erkrankungen an den Hüftgelenken wenigstens gelindert, in vielen Fällen sogar geheilt werden.

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Ihre Susanne Kern

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Dr. med. Susanne Kern, Schwandorf Orthopädin

Hüftschmerzen können vielseitig begründet sein

Aufstehen, Gehen, Bücken oder Drehen: Unser Hüftgelenk ist nicht nur Bindeglied zu den Beinen, sondern auch zentraler Dreh- und Angelpunkt des Körpers. An allen Rotations- und Beugebewegungen des Rumpfes ist es maßgeblich beteiligt. Fällt es aus, geht im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr.

Mit dem Aufrichten des Oberkörpers änderte der Mensch die Belastungsverhältnisse im Bereich der Hüfte von Grund auf. Der Hüfte kommt jetzt aus der Sicht der Biomechanik im Gangbild eine Schlüsselrolle zu. Um diese erfüllen zu können, braucht die Hüfte einen relativ großen Aktionsradius. Sie muss sich in den unterschiedlichsten Richtungen möglichst frei bewegen können. Dies erreicht der Körper durch die Konstruktion eines sogenannten Nussgelenks, bei dem die Hüftpfanne die Hüftkopfkugel bis über die Äquatoriallinie hinaus umschließt.

Je nach Ursache wirken sich Hüftgelenkschmerzen unterschiedlich aus. Sie treten oft nur nach Belastung auf, manchmal schmerzt die Hüfte kontinuierlich. Hüftschmerzen zeigen sich als Stechen oder Ziehen in der tiefen Leistengegend. Da Hüftschmerzen vielfältig begründet sein können, sind eine sehr gründliche körperliche Untersuchung und die Anamnese des Facharztes für Orthopädie für eine gezielte Diagnose sehr wichtig. Dabei spielen Fragen nach der täglichen Bewegung, dem Alltag, der familiären Vorgeschichte ebenso wie das Gewicht, das Gangbild oder mögliche Fehlstellungen der Wirbelsäule, Füße, Knie oder der Hüfte selbst eine Rolle.

Hüftarthrose (Coxarthrose)
Ein Gelenkverschleiß, die sogenannte Hüftarthrose (Coxarthrose) ist eine der häufigsten Gründe für Schmerzen in der Hüfte. Innerhalb dieser Gruppe von Erkrankungen unterscheiden wir zwischen sogenannten primären Hüftarthrosen (bei denen keine auslösende Ursache festgestellt werden kann) und sekundären Hüftarthrosen (bei denen eine auslösende Ursache auffindbar ist). Diese Unterscheidung hat bei der Planung der weiteren Behandlung entscheidende Auswirkungen. Zu den Ursachen zählen altersbedingte Abnutzungserscheinungen ebenso wie angeborene Fehlstellungen oder traumatische (unfallbedingte) Schädigungen wie Schenkelhalsfrakturen. Auch Entwicklungsstörungen wie Durchblutungsstörungen des Hüftkopfes, Infektionen oder rheumatische Erkrankungen gehören dazu. Risikofaktoren sind zusätzlich Übergewicht und die Häufigkeit von Hüfterkrankungen in der Familie.

Hüftkopfnekrose
Die Hüftkopfnekrose ist eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes, die zum Absterben des Knochengewebes führt. Zwei Formen werden dabei unterschieden. Zum einen kennen wir die Hüftkopfnekrose bei Kindern um das 6. Lebensjahr, die in einer kritischen Phase des kindlichen Knochenwachstums auftreten kann, zum anderen die Hüftkopfnekrose als Folge von Durchblutungsstörungen beim Erwachsenen, die bei 35 bis 45-jährigen Menschen auftritt. In beiden Fällen kann es neben dem Abbau von Knochenmaterial auch zur Ausbildung von Knorpelverlusten kommen, die Hüftkopfnekrose ist dann Auslöser für eine sekundäre Hüftarthrose.

Auch Medikamente wie Cortison, Chemotherapie, aber auch Unfälle und andere äußere Einflüsse können zu einer chronischen Durchblutungsstörung des Oberschenkelkopfes führen

Einklemmende Hüfte (Impigement)
Bei bestimmten Sportarten kann durch die ständige und kräftige Beugung des Hüftgelenkes der knorpelige Rand der Hüftpfanne verletzt werden. Dies führt beim Beugen der Hüfte, aber auch in Ruhestellung und beim Laufen, zu Schmerzen in der Leiste. Bei manchen Menschen passt der Hüftkopf (also der kugelförmige obere Teil des Oberschenkelknochens) nicht genau in die vom Beckenknochen gebildete Gelenkpfanne. Bei starker Beugung im Hüftgelenk stoßen in solchen Fällen die Knochen aufeinander. Je nach mechanischer Belastung werden dabei die Gelenklippe oder der Knorpel verletzt, starke stechende Schmerzen sind die Folge. Wir sprechen in diesen Fällen bildhaft von einer „einklemmenden Hüfte“. Unbehandelt kann ein solches Missverhältnis von Hüftkopf und Gelenkpfanne ebenfalls zum Gelenkverschleiß einer sekundären Hüftarthrose führen.

Springende Hüfte (Coxa saltans)
Eine so genannte „Springende Hüfte“ wird medizinisch als Coxa saltans bezeichnet und entsteht, wenn die Sehnenplatte über den Rollhügel des Oberschenkelknochens gleitet. Wenn das Hüftgelenk gebeugt wird, kann die Sehnenplatte hinter dem Knochen hängenbleiben und später dann mit einem Schnappen über den Knochen gleiten, was teilweise auch gut zu hören ist. Die Therapie erfolgt anfangs meistens konservativ. Es muss jedoch auch häufig operiert werden, wenn die Beschwerden sich nicht bessern.

Hüft-„Schädlinge“

Schmerzen in der Hüfte sind nicht nur dem höheren Lebensalter geschuldet. Auch junge und aktive Menschen können Probleme bekommen. Wenn die körperliche Beanspruchung im Alltag zu hoch ist, zu viel Pfunde dazukommen oder Schuhe mit hohen Absätzen getragen werden, beschwert sich der Organismus unter anderem mit Schmerzen in der Hüft- und Leistengegend.

‚Stop-and-Go“ bei Sportarten wie Tennis, Fußball, Squash oder Turnen sind ebenfalls nicht „hüftfreundlich“. Zerrungen oder An- oder Abrisse in der Hüftmuskulatur sind eventuell die Folge, vor allem, wenn die Muskulatur ohne Aufwärmen gefordert ist. Auch Modetrends können der Hüfte schaden: Schuhe mit hohen Absätzen beeinträchtigen die normale Hüftstellung enorm – je höher der Absatz, desto größer ist die Belastung. Chronische Schmerzen entstehen auch durch eine Dauerbelastung über einen längeren Zeitraum.

Die Ursache liegt beispielsweise im Abrieb der Knorpelschicht mit der Folge, dass Knochen auf Knochen reibt. Chronische Hüftschmerzen beeinträchtigen zunächst noch den Bewegungsablauf, treten mit der Zeit aber auch in Ruhephasen auf. Abnutzung der Hüftgelenke entsteht auch durch eine (angeborene) Fehlhaltung – beispielsweise durch eine Beinlängendifferenz, eine Fehlstellung der Hüfte, der sogenannten Hüftdysplasie oder eine nicht ausgeheilte Hüfterkrankung.

Bakterielle Infektion
Wie jedes Gelenk kann auch das Hüftgelenk durch Bakterien infiziert werden. Diese können durch die Blutbahn in das Hüftgelenk gelangen oder auch durch Einspritzung im Rahmen der Therapie ins Hüftgelenk eingebracht werden. Denn eine bakterielle Entzündung des Hüftgelenkes geht meist mit stärksten Schmerzen in der Leiste, Bewegungsschmerzen des Hüftgelenkes sowie häufig mit starken Allgemeinsymptomen (Fieber, Abgeschlagenheit und Herzschlagbeschleunigung) einher.

Hüftdysplasie
Bei einer angeborenen oder erworbenen Fehlbildung der Hüftgelenkpfanne, der sogenannten Hüftdysplasie, findet der noch knorpelig-weiche Hüftkopf des Oberschenkels keinen stabilen Halt in der Hüftgelenkpfanne. Im schwersten Fall einer Hüftdysplasie, der Hüftluxation, rutscht der Kopf des Oberschenkelknochens aus der Gelenkpfanne.

Schleimbeutelentzündung
Am großen Rollhügel des Oberschenkelknochens kann sich der Schleimbeutel entzünden, was äußerst schmerzhaft ist. Ursachen können eine unterschiedliche Beinlänge, ein so genanntes Sehnenschnappen oder einfach eine Überbeanspruchung der Oberschenkelmuskulatur sein. Die ziehenden und stechenden Schmerzen nehmen nach Belastung zu. Im weiteren Verlauf kann es jedoch auch nachts zu Beschwerden kommen.

Die Ursachen liegen in einer mechanischen Reizung durch Überlastung, Schnappen der Sehnenplatte, starke ungewohnte Belastung, hohem Druck auf die Hüfte (z.B. langes Stehen), Stellungsfehler wie X-Bein oder Beckenschiefstand oder Verletzungen und folgende bakterielle Infektionen.

Verletzungen der Hüfte
Durch Unfälle oder Stürze können in der Hüfte unter anderem Verletzungen wie der Oberschenkelhalsbruch, der Hüftpfannenbruch oder die Hüftkopffraktur auftreten. Zu derartigen Verletzungen kommt es meist durch große Krafteinwirkungen auf die Hüfte bzw. das Hüftgelenk, etwa bei Verkehrsunfällen.

Anatomie des Hüftgelenks

Anatomie

Die Hüftgelenke sind nach den Kniegelenken die zweitgrößten Gelenke des Körpers. Die Kapsel, welche die Hüftgelenke schützend umgibt, ist die stärkste Gelenkkapsel des menschlichen Körpers. An den Enden der beiden Schenkelhälse setzen sehr große Muskeln an, welche für eine ausreichende Beweglichkeit der Hüfte sorgen. Vor und hinter dem Hüftgelenk verlaufen Blutgefäße und Nerven, über welche die Beine versorgt werden.

Der Hüftkopf des Oberschenkelknochens geht in der Hüftpfanne eine gelenkige Verbindung mit dem Beckenknochen ein. Beide Gelenkanteile haben an ihrer Oberfläche eine knorpelige Gleitschicht, die bei Bewegung wie ein Stoßdämpfer wirkt. Im Laufe des Lebens müssen diese Stoßdämpfer enorme Kräfte abfedern; Belastungen, die sich addieren.

Von großer Bedeutung ist die Versorgung der Knorpelschicht mit Gelenkflüssigkeit, die als Schmiermittel innerhalb der geschlossenen Gelenkkapsel produziert und an den Knorpel abgegeben wird. Sie erhält ihn stark und geschmeidig.

Stürze sind häufige Ursachen für schwere Verletzungen im Bereich des Hüftgelenks. © stockfoto.com
Stürze sind häufige Ursachen für schwere Verletzungen im Bereich des Hüftgelenks. © stockfoto.com