Mit müdem Kopf lernt es sich schlecht. Foto: (c) Zlatan Durakovic - fotolia.com
Mit müdem Kopf lernt es sich schlecht. Foto: (c) Zlatan Durakovic - fotolia.com

Kinder müssen sich nachts erholen

Das war ein toller Sommer. Wochenlang herrlichstes Wetter. Morgens lange schlafen, abends länger aufbleiben. Das bringt leicht den Rhythmus durcheinander. Doch nun wird es langsam Zeit, sich wieder auf die Schulzeit einzugewöhnen. Spätestens ab dem 12. September heißt es dann: Morgens früher aufstehen und am Abend früher ins Bett gehen, denn: Ein müder Kopf behält nicht viel.

Psychologen sind sich einig: Im Schlaf zu lernen funktioniert wirklich. Wenn sich die Augen schließen, arbeitet das Gehirn weiter und verarbeitet das Gelernte über Nacht. Deshalb sollten Zubettgehen und Aufstehen möglichst immer zur gleichen Zeit stattfinden, damit sich das Gehirn entsprechend einstellen kann. Und bitte nicht mit Computerspielen oder Fernsehen einschlafen…

Das Gehirn baut sich Gedächtnisspuren
Was man tagsüber lernt, wird über Nacht vom Gehirn verarbeitet. Es baut sich Gedächtnisspuren und festigt damit das Erlernte. Das beweisen Studien. Damit das Gehirn effektiv weiterarbeiten kann, braucht es genügend Zeit. Grundschüler, also Sechs- bis Neunjährige, sollten zwischen neun und zwölf Stunden ruhen. Auch ein Mittagsschlaf ist anzuraten. Grundschüler, die oft zu spät ins Bett gehen, seien „oft hibbelig und hätten Konzentrationsprobleme“, sagt Schulpsychologe Klaus Seifried vom Berufsverband der Deutschen Psychologen. („Der neue Tag“, 17. Juni 2013) Sie würden dann schnell mit der Diagnose ADHS abgestempelt. Meistens liegt es allerdings wirklich am Schlafmangel. Übrigens: Auch wer ohne Frühstück zur Schule kommt ist unaufmerksamer, weil er unterzuckert ist. Kinder müssen deshalb auch regelmäßig essen, damit das Gehirn ordentlich arbeiten kann. Es braucht ausreichend Kohlenhydrate und Eiweiß.

Von Erfolgsdruck und Blackouts
Im Grunde ist der Unterrichtsstoff immer noch derselbe. Die Reformen in den vergangenen Jahren jedoch, sie haben zu massiver Kompression geführt. Was man früher in der siebten Klasse lernte, steht heute schon ein oder zwei Jahrgangsstufen früher auf dem Plan, was freilich den Leistungsdruck um ein Vielfaches erhöht. Wer es nicht schafft, dem Stand zu halten, fällt hinten runter und verbaut sich bereits in jungen Jahren seine berufliche Zukunft. Im Zeitalter von Europa und universalisierten Hochschulabschlüssen kann eine schlechte Note schon das Ende bedeuten.

Für ein Kind ist alles, was es in jungen Jahren erlebt, gewissermaßen „normal“. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn das Gehirn blockiert. Kreative Problemlösungen sind unter Extremstress unmöglich. Bildungsforscher Prof. Manfred Spitzer sagte gegenüber dem Focus: „Auswendig reingepauktes Wissen können Schüler immer herbeten, auch mit Blackout.“ Aber Gelerntes wirklich anzuwenden, könne während einer Denkblockade nicht klappen, „weil man nicht mehr von A nach B nach C denken kann. Man denkt A. Und fertig.“

Damit es gar nicht so weit kommt sind Eltern, Lehrer und Schüler gefragt. Bereits ein Kind muss lernen, was Zeitmanagement bedeutet, sprich: wieviel lerne ich wann und wann mache ich Pausen. Sowohl schriftliche Prüfungen als auch mündliche Tests können zu Hause trainiert werden. Die Profis nennen dieses Prinzip „Mentaltraining“. Schüler stellen sich vor, wie sie zur Prüfung gehen, wie der Lehrer Fragen stellt, wie sie darauf reagieren. Wen man dem Gehirn bereits vor einer Extremsituation die Chance gibt, sich darauf einzustellen, kann es diesen Moment besser meistern.

Nahrung fürs Gehirnjogging
Wer morgens mit leerem Magen zur Schule kommt, verwirkt die guten Voraussetzungen für diesen Tag. Kinder haben geringere Speicherkapazität für Nährstoffe. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sie mindestens drei Mahlzeiten am Tag einnehmen.

„Durch regelmäßige Mahlzeiten“, so schreibt Stiftung Warentest, „werden die Verdauungsorgane weniger beansprucht und die Blutzuckerkurve schwankt nicht so stark. Ein mäßiger Anstieg des Blutzuckers (Glukose) ist gut für eine Reihe von Gehirnfunktionen wie Gedächtnis und Lernfähigkeit. Und das bewirken vor allem Kohlenhydrate, die nicht süßen (Stärke), die in allen Getreideprodukten, aber auch in Kartoffeln oder Gemüse stecken, ebenso wie die süßen Zucker. Ein Freibrief für Süßes ist das aber nicht -­ denn zu viel Glukose kann den Effekt mindern.“

Für Morgenmuffel empfiehlt die Stiftung Warentest eine Tasse Kakao mit (Vollkorn-)Toast ohne Butter, in der Pause ­ je nach Alter ­ zwei bis zweieinhalb Scheiben Vollkornbrot mit Margarine, Käse und Gurke. Oder: Joghurt mit Obst und Knäckebrot, später zwei Scheiben Brot mit Leberwurst, Salat plus Tomate.

Für Frühstarter: Zwei bis zweieinhalb Scheiben Vollkornbrot mit Nussnougatcreme, Joghurt und Obst, später – je nach Alter -­ ein bis anderthalb Scheiben Vollkornbrot mit Frischkäse oder gekochtem Schinken, Tomate oder Gurke, ein Apfel.

Was auch immer auf den Frühstückstisch kommt, es sollte ausgewogen sein, damit das Gehirn den Tag gesund und produktiv meistern kann.

Schlafen
1. Kinder müssen sich nachts erholen
2. Spontaneität ist oft die bessere Wahl
3. Besser schlafen ohne zu schnarchen